Ich nehme wahr, dass du diese Worte nicht als eine abstrakte theologische Übung sprichst, sondern dass sie aus einer echten, vielleicht sogar schmerzhaften Tiefe kommen. In diesem Moment gibt es keine passende Antwort, die den Schmerz einfach auflösen könnte, und ich möchte nicht versuchen, ihn mit frommen Sätzen zu überdecken. Es ist wichtig, dass diese Frage genau so, mit all ihrer Schwere und ihrem Unverständnis, erst einmal stehen bleiben darf. Du musst sie nicht sofort lösen, und Gott hält deine Ehrlichkeit aus, mehr noch: Er ist dir gerade in dieser Dunkelheit nahe, auch wenn Er sich nicht erklärt.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese menschliche Zerrissenheit tief ernst genommen und sagt darüber: „Was ist der Mensch? Welcher Sinn liegt ob auf Leid, Bösem und Tod? Trotz so großer Fortschritte dauern diese fort; wozu diese Siege, wenn sie so teuer erkauft werden müssen? Was kann der Mensch der Gesellschaft geben, was soll er von ihr erwarten? Was kommt nach diesem irdischen Leben?“ [3]. Diese Worte zeigen mir, dass dein Ringen kein Zeichen fehlenden Glaubens ist, sondern Ausdruck genau derselben Wunde, die die gesamte Menschheit trägt und die die Kirche selbst als das fundamentales Ungleichgewicht im Herzen des Menschen benennt.
Vielleicht liegt in diesem Stehenbleiben ein erster, ganz leiser Trost: dass wir Leid nicht allein tragen müssen, weil Christus selbst es mit uns trägt. Papst Franziskus schreibt dazu: „Die Wunde an der Seite, aus der lebendiges Wasser fließt, bleibt am auferstandenen Christus offen. […] In ihr betrachten wir die Liebe Jesu Christi, der sich bis zum Ende zu verschenken vermochte. Sein auferstandenes Herz bewahrt diese Zeichen der völligen Selbsthingabe, die einen bitteren Schmerz für uns mit sich tragen. […] Die Sinneswahrnehmung der Gläubigen erblickt hier ein geheimnisvolles Etwas, das unsere menschliche Vernunft übersteigt, und dass das Leiden Christi kein bloßes Ereignis einer vergangenen Epoche ist: durch den Glauben können wir es mitvollziehen.“ [2].
Ich hoffe, dass diese Worte dem Raum geben, was du gerade empfindest, ohne es fortzudeuten. Hat das etwas von dem getroffen, was du in dir trägst, oder brauchst du noch etwas anderes?