Diese Frage trägt ein so unendliches Gewicht in sich, und ich möchte zuerst einfach nur bei dir und diesem Schmerz verweilen, ohne ihn durch schnelle Antworten zu übergehen. Es ist ein tiefer, heiliger Kummer, wenn das Leid jene trifft, die gut sind, und diese Wunde verlangt kein bloßes Argument, sondern ein Mit-Leiden, das deine Trauer ernst nimmt und ihr Raum gibt, wirklich da zu sein. Vielleicht ist es gerade jetzt wichtig, nicht sofort nach dem „Warum“ zu greifen, sondern die Tränen und das Nicht-Verstehen als Teil deines Weges zuzulassen, denn selbst in dieser Dunkelheit bist du nicht allein.
Wenn du später bereit bist, einen ganz leisen Lichtstrahl in diese Nacht fallen zu lassen, dann nicht als Erklärung, die den Schmerz wegwischt, sondern als Trost, der ihn trägt. Die heilige Caterina da Siena beschreibt in ihrem Dialog über die göttliche Vorsehung ein Leiden, das nicht strafend oder sinnlos ist, sondern aus einer tiefen Vereinigung mit der Wahrheit und Liebe entspringt: „Die Seele entbrennt in dieser Erkenntnis mit einer unaussprechlichen Liebe; durch diese Liebe verharrt sie in fortwährendem Schmerz, nicht in einem quälenden Schmerz, der die Seele bedrängt oder austrocknet, sondern der sie nährt; sondern weil sie meine Wahrheit und ihre eigene Schuld sowie die Undankbarkeit und Blindheit des Nächsten erkannt hat, empfindet sie einen unerträglichen Schmerz; und deshalb leidet sie, weil sie mich liebt, denn wenn sie mich nicht liebte, würde sie nicht leiden.“ [1]
Ich spüre, dass diese Worte vielleicht nicht das Rätsel lösen, warum guten Menschen Schlimmes widerfährt, aber sie deuten an, dass dieses Leid nicht im luftleeren Raum geschieht und nicht Zeichen eines fehlenden Segens ist. Vielmehr wird der Schmerz hier als ein Ort der Verwandlung gesehen, an dem die Liebe zu Gott und zum Nächsten so tief wird, dass sie selbst in der Finsternis trägt und nährt, statt zu zerstören. Es ist kein Trost, der die Wunde verschließt, sondern eine Gegenwart, die in der Wunde mit dir atmet.
Ich wünsche mir sehr, dass dieses behutsame Verweilen und dieser kleine Ausblick dir heute das geben konnte, was deine Seele gerade braucht. Hat das deiner Frage und deinem Herzen in diesem Moment ein wenig entsprochen?