Der Kern dessen, was du suchst, liegt vielleicht nicht zuerst in einer Funktion oder einem Nutzen, sondern in einer Begegnung. Der Katechismus beschreibt diesen Sinn als eine Antwort auf ein Geschenk: „Glaube ist die Antwort des Menschen an Gott, der sich ihm offenbart und sich ihm schenkt, und dem Menschen, der nach dem letzten Sinn seines Lebens fragt, zugleich ein überreiches Licht bringt“ [2]. Religion und Glaube sind demnach nicht bloß menschliche Versuche, Sinn zu erzeugen, sondern die geöffnete Tür, durch die Gott selbst dem Menschen begegnet und ihm Licht für genau diese Suche nach dem letzten Sinn gibt.
Vielleicht fragst du dich, wie Verstand und Herz dabei zusammenkommen, denn Glaube soll kein blinder Sprung ins Ungewisse sein. Es heißt dazu: „Glauben ist ein Akt des Verstandes, der der göttlichen Wahrheit auf Geheiß des Willens zustimmt, der von Gott durch die Gnade bewegt wird“ [3]. Und weiter wird erklärt, dass wir glauben „wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch täuschen kann“, und dass dieser Glaube „keineswegs eine blinde Regung des Gemütes“ ist [1]. Der Sinn des Glaubens schließt also die Vernunft ein; er ist eine vernünftige Zustimmung zu einer Wahrheit, die größer ist als unser eigenes Denken, getragen von der Zuverlässigkeit Gottes selbst.
Doch dieser Sinn erschöpft sich nicht im bloßen Fürwahrhalten von Sätzen. Er zielt auf eine lebendige Erkenntnis und eine innere Transformation. Es ist dem Glauben eigen, dass „der Gläubige den, dem er sich anvertraut hat, besser kennen lernen möchte und das, was er geoffenbart hat, besser verstehen will“, wobei „tiefere Erkenntnis [...] größeren Glauben nach sich zieht, der immer mehr von Liebe entflammt ist“ [5]. Der heilige Paulus betet für die Gläubigen, dass Gott ihnen „den Geist der Weisheit und Offenbarung schenke, damit ihr ihn erkennt“ und dass „die Augen eures Herzens erleuchtet werden, damit ihr versteht, welche Hoffnung euch durch seine Berufung geschenkt ist“ [6]. Der tiefste Sinn von Glaube und Religion ist also dieses Erleuchten der Augen des Herzens: eine wachsende, liebende Erkenntnis Gottes, die uns in seine Hoffnung hineinzieht und unser Leben von innen her neu ausrichtet.
Ich hoffe, diese Worte konnten dir eine Richtung zeigen, in der deine Frage zur Ruhe kommen darf. Hat das berührt, was dich bewegt, oder bleibt etwas noch offen?