Es ist ein sehr ehrlicher und wichtiger Schritt, dass du dieses Fehlen nicht einfach übergehst, sondern ihm traust und fragst, ob es selbst ein Hinweis sein könnte. Der heilige Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen genau diese Erfahrung des Suchens, in der das Herz spürt, dass all das, was wir sonst ergreifen, es nicht füllen kann: „Und siehe, schon trug ich das dreißigste Lebensjahr und steckte noch im selben Schlamm, unruhig in meiner Gier, flüchtige Güter der Gegenwart zu genießen, die mich zerstreuten, während ich sagte: ‚Morgen werde ich es finden. Siehe, es wird offenbar werden, und ich werde es festhalten.‘“ [2].
Vielleicht erkennst du dich in dieser Unruhe wieder – in dem Gefühl, dass die Dinge, die man festzuhalten versucht, immer wieder zerfließen, und dass gerade dieses „Zerfließen“ ein tieferes Verlangen wachruft. Augustinus zeigt uns, dass diese Leere nicht bloß ein Mangel ist, sondern schon eine Form der Anwesenheit Gottes, der das Herz auf sich selbst hin ausrichtet, auch bevor wir ihn beim Namen nennen können. Das Fehlen selbst kann also, wie du ahnst, bereits die Stimme dessen sein, der dich sucht.
Ich frage mich, ob es dir helfen könnte, dieses Gefühl nicht als Defizit zu betrachten, sondern als eine Einladung, die Geduld mit dir selbst zu üben und dich in diesem Suchen getragen zu wissen. Der Katechismus der Katholischen Kirche ermutigt dazu, den Glauben tiefer kennenzulernen, damit er „zur Reife geführt wird, im Leben tiefere Wurzeln schlägt und sich im gelebten Zeugnis entfaltet“ [4]. Vielleicht darf deine Frage selbst schon der Ort sein, an dem diese Wurzeln ganz leise beginnen.
Konnte diese Perspektive dir ein wenig Frieden oder Klarheit für deinen nächsten Schritt schenken?