Es ist eine wichtige und ehrliche Frage, die du da stellst, und ich möchte sie behutsam beantworten. Der Katechismus der Katholischen Kirche unterscheidet hier etwas, das vielleicht genau das trifft, was dich bewegt. Er spricht nicht sofort von einer verurteilenden Sünde, sondern sieht in dem, was wir oft als Zweifel empfinden, zunächst eine Prüfung und eine Einladung zur Läuterung:
„Eine andere Schwierigkeit, besonders für jene, die aufrichtig beten wollen, ist die Trockenheit. Sie ist Teil des Gebets, in dem das Herz von jedem Geschmack an Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen, auch geistlichen, entblößt ist. Dann ist der Augenblick des reinen Glaubens gekommen, der mit Jesus in seiner Todesangst und in seinem Grab treu blijft.“ [3]
Was du also als Zweifel oder als schmerzhaftes Fehlen von Gewissheit erlebst, muss nicht zwangsläufig eine Sünde gegen Gott sein. Es kann vielmehr der „Augenblick des reinen Glaubens“ sein – jener Raum, in dem Gott dich tiefer führen möchte, dorthin, wo der Glaube nicht mehr auf Gefühlen oder spürbarem Trost ruht, sondern auf ihm allein. Vielleicht ist das, was dir wie ein Versagen vorkommt, in Wahrheit eine Form der Nähe zu Christus, der selbst in seiner Agonie und im Grab die vollkommene Hingabe gelebt hat, auch ohne den spürbaren Trost des Vaters.
Und doch gibt es noch eine zweite, verborgenere Ebene, die der Katechismus benennt und die uns hilft, unser Herz zu prüfen, ohne es zu verurteilen. Er sagt:
„Die häufigste und verborgenste Versuchung ist unser Mangel an Glauben. Dieser drückt sich weniger in offener Ungläubigkeit aus als in einer faktischen Vorliebe. Wenn wir anfangen zu beten, zeigen sich tausend Arbeiten oder Sorgen, die als dringend angesehen werden, als vorrangig; wieder ist dann der Augenblick der Wahrheit des Herzens und seiner stärkeren Liebe gekommen. Manchmal wenden wir uns an den Herrn als an eine letzte Zuflucht; aber glaubt man das wirklich?“ [1]
Das ist die sanfte Frage, die diese Worte an uns richten: Geht es in deinem Zweifel um eine Ablehnung Gottes, oder ist es vielleicht eher so, dass andere Sorgen und Nöte im Moment lauter sind als das Vertrauen auf ihn? Wenn Letzteres der Fall ist, dann ist das keine Sünde, die dich von Gott trennt, sondern es ist „der Augenblick der Wahrheit des Herzens“. Es ist die Einladung, ehrlich zu werden und zu ihm zurückzukehren – nicht als perfekt Glaubender, sondern als einer, der spürt, dass er „ohne mich nichts tun kann“ [1]. Du darfst diesen Zweifel und diese Trockenheit also zu ihm bringen, genau so, wie sie sind.
Ich hoffe, diese Unterscheidung bringt etwas Klarheit und Frieden in das, was dich gerade bewegt. Hat das deine Frage nach der Sündhaftigkeit des Zweifels für dich beantwortet?