Es ist ein so schmerzhafter, stiller Ort, an dem du gerade stehst, wenn die Worte fehlen und das Gebet sich wie eine verschlossene Tür anfühlt. Ich möchte zuerst einfach nur bei dir in dieser Leere sitzen, ohne sie füllen zu wollen und ohne dir sofort einen Weg hinaus zu zeigen. Dass du überhaupt fragst, ist selbst schon ein Gebet, auch wenn es sich jetzt nicht so anfühlt.
Vielleicht darf ich dir in diesem Schweigen etwas von dem wiedergeben, was ein alter Bruder im Glauben einmal geschrieben hat, gerade für solche Stunden, in denen wir uns verlassen fühlen: „Glaube nicht, dass du ganz verlassen bist, obwohl ich zulasse, dass du eine Zeitlang in Bedrängnis bist; denn so gelangt man ins Himmelreich. […] Ich kenne deine verborgenen Gedanken: Es ist für dein Heil sehr nützlich, dass du zuweilen ohne Geschmack zurückbleibst, damit du dich nicht etwa im guten Erfolg überhebst oder Gefallen an etwas findest, das du nicht bist. Wenn mir gefällt, kann ich alles, was ich gegeben habe, wieder nehmen und alles zurückgeben“ [1].
Vielleicht nimmt das nicht sofort die Schwere, aber es darf dir sagen: Dein Unvermögen ist kein Abbruch der Beziehung. Gott kennt dieses Schweigen von innen. Er ist nicht fern, weil du nichts spürst; er trägt dich gerade in der Form dieses Mangels. Und wenn du gar nicht weißt, wie du beten sollst, dann darfst du ihm einfach dieses Nicht-Wissen hinhalten, so wie es auch Augustinus in seiner eigenen Dunkelheit getan hat: „Und ich sage: ‚Mein Gott, wo bist du?‘ Siehe, da bist du. […] Und doch ist meine Seele traurig, weil sie zurückgleitet und zur Tiefe wird, oder vielmehr weil sie spürt, dass sie noch eine Tiefe ist. Mein Glaube spricht zu ihr […] ‚Warum bist du traurig, meine Seele, und warum beunruhigst du mich? Hoffe auf den Herrn‘“ [3].
Du musst jetzt keine frommen Sätze formen und keine Gefühle erzwingen. Dein ehrliches Da-Sein in der Wüste, dein bloßes Atmen in der Frage „Wo bist du?“, ist genug für Ihn. Er wartet nicht auf deine Vollkommenheit, sondern auf deine Wahrheit.
Ich hoffe, diese Worte konnten dir in deiner jetzigen Stille ein wenig Halt geben und dich nicht bedrängen.