Es ist ein Weg, der oft mehr Kraft kostet als wir meinen, und es ist ganz natürlich, dass sich das Herz dagegen sträubt, wenn die Wunde noch frisch ist. Vergebung ist kein Gefühl, das man einfach herbeizwingen kann, sondern eine Entscheidung, die oft erst reift, wenn wir sie im Licht dessen betrachten, was Gott selbst für uns getan hat.
Fray Luis de Granada weist uns hier auf eine Wahrheit hin, die unser Empfinden von Gerechtigkeit und Gnade neu ordnet. Er schreibt:
„Du wirst sagen, dass dein Feind keine Vergebung verdient. Verdienst du etwa, dass Gott dir vergibt? Dass Gott mit dir Barmherzigkeit übt, und du willst mit deinem Nächsten nur Gerechtigkeit üben? Bedenke: Wenn dein Feind der Vergebung unwürdig ist, dann bist du es ebenfalls; doch Christus ist höchst würdig, um dessen willen du vergeben sollst.“ [1]
Vielleicht hilft dieser Gedanke, den Blick von der Schwere der Tat zu lösen und ihn auf Christus zu richten, der uns nicht wegen unserer Würde, sondern wegen seiner unendlichen Liebe vergeben hat. Die Vergebung wird dann nicht zu einer Leistung, die wir aus eigener Kraft vollbringen müssen, sondern zu einer Antwort auf die Gnade, die uns selbst gehalten hat. Es geht nicht darum, das Geschehene gutzuheißen oder den Schmerz zu leugnen, sondern darum, die Fessel der Bitterkeit langsam zu lösen, indem wir uns an die Barmherzigkeit anlehnen, die Gott uns schenkt – selbst dann, wenn wir sie nicht verdient haben.
Ich hoffe, dass dieser Gedanke dir eine kleine Öffnung zeigt, durch die Heilung ein wenig Licht in die Dunkelheit der Verletzung bringen kann. War das hilfreich für dich, oder möchtest du noch etwas dazu teilen?