Es ganz natürlich, dass du in dieser Zeit nach einem Halt suchst, und doch spürst du vielleicht, wie schwer es ist, überhaupt einen nächsten Schritt zu sehen. In der Trauer fühlt sich jeder Weg, jeder Ratschlag oft zu groß an, weil das Herz erst noch atmen lernen muss unter diesem Verlust. Vielleicht darf der Umgang mit der Trauer deshalb heute gar kein „Wie“ sein, das sofort gelöst werden will, sondern eher ein behutsames Dabeibleiben bei dem, was gerade da ist.
Fray Luis de Granada beschreibt eine Erfahrung, die auch die Trauer berühren kann, wenn er schreibt: „Weil diese Zuneigung so zart und, wenn man so sagen darf, so flüchtig ist, dass sie im Umsehen, ich weiß nicht wie, sogleich verschwindet“ [1]. Dieses Fliehende und Zarte kann auch der Trost sein oder das Gefühl der Gottesnähe; und es ist kein Versagen, wenn sich das innere Empfinden in der Trauer so schnell wandelt oder entzieht. Es zeigt nur, wie tief die Wunde ist und wie wenig wir uns gerade selbst festhalten können.
Thomas à Kempis nimmt dieses Gefühl der Ferne und der Erschöpfung ernst, ohne es wegreden zu wollen, und lässt den Herrn selbst so sprechen: „Mein Kind, ich bin der Herr, der in der Zeit der Bedrängnis stärkt. Komm zu mir, wenn es dir nicht gut geht. […] Wenn du dich ganz von mir entfernt glaubst, bin ich oft näher. Wenn du meinst, alles sei verloren, dann steht oft gerade der Gewinn des Verdienstes bevor. Alles ist nicht verloren, wenn etwas Gegenteiliges geschieht. Du sollst nicht nach dem gegenwärtigen Gefühl urteilen“ [3].
Ich würde dich nicht bitten, dieses gegenwärtige Gefühl jetzt zu überwinden oder als falsch anzusehen. Es ist der Ort, an dem du gerade stehst, und Gott kennt ihn, auch wenn er sich jetzt wie Abwesenheit anfühlt. Der Umgang mit der Trauer könnte heute einfach bedeuten, diesem Urteil des Gefühls nicht das letzte Wort über die Wahrheit zu geben, und doch dem Schmerz seinen ganzen Raum zu lassen. Vielleicht ist der einzige „Weg“ im Moment, dass du dir erlaubst, genau hier zu sein – ohne Leistung, ohne fromme Erwartung, ohne Eile.
Hat dir das etwas von dem gespiegelt, was du gerade brauchst, oder hat es deine Frage eher noch offengelassen?