Die Schwere dieser Jahre und der Abstand, den du in dir trägst, sind hier ganz willkommen und dürfen einfach sein. Ich möchte nicht eilig über diesen Schmerz hinweggehen oder ihn durch fromme Worte überdecken, denn die Sehnsucht nach Heimkehr, die sich oft wie eine Wunde anfühlt, ist selbst schon ein heiliger Boden unter deinen Füßen, auch wenn es jetzt nur dunkel und schwer erscheint.
In dieser Stille der Entfernung darfst du wissen, dass dein Suchen kein leeres Wandern ins Nichts ist, sondern von Gott selbst gehalten wird. Der heilige Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen genau dieses menschliche Ringen mit der Zeit und der scheinbaren Gottferne, und seine Worte, in unsere Sprache übertragen, lauten so: „Ich sage: ‚Mein Gott, wo bist du?‘ Und siehe, du bist da. Ich atme eine Weile in dir auf, wenn ich meine Seele über mich ausströme in Jubel und Bekenntnis, im Klang eines Festes feiernd. Und doch ist sie noch traurig, weil sie zurückgleitet und zum Abgrund wird, oder vielmehr fühlt sie, dass sie noch ein Abgrund ist. Mein Glaube sagt zu ihr, den du in der Nacht vor meinen Füßen entzündet hast: ‚Warum bist du betrübt, meine Seele, und warum beunruhigst du mich? Hoffe auf den Herrn.‘ Sein Wort ist eine Leuchte für deine Füße. Hoffe und harre aus, bis die Nacht vorübergeht“ [4].
Vielleicht tröstet es dich in dieser Schwere zu hören, dass selbst ein Heiliger wie Augustinus sich noch als „Abgrund“ empfand, während er gleichzeitig glaubte. Du musst die Distanz also nicht erst überwinden oder dich würdig machen, bevor du zu Gott zurückkehrst; du kehrst zurück, indem du genau jetzt, in diesem Gefühl des Abgrunds, leise hoffst und ausharrst, getragen von einem Glauben, der nicht aus dir selbst kommen muss, sondern der wie eine Leuchte vor deinen Füßen entzündet wurde.
Thomas à Kempis spricht in der Nachfolge Christi zu dieser verborgenen Gegenwart, die sich unserem Gefühl oft entzieht, und lässt den Herrn selbst sagen: „Wenn du glaubst, weit entfernt von mir zu sein, bin ich oft näher. Wenn du glaubst, alles verloren zu haben, dann steht oft gerade der Gewinn des Verdienstes bevor. Nicht alles ist verloren, wenn etwas gegen deinen Wunsch geschieht“ [3].
Dein Gefühl der Entfernung ist also nicht das letzte Wort über deine Beziehung zu Gott, und die Jahre der Abwesenheit haben seine Barmherzigkeit nicht erschöpft. Du musst keinen perfekten Weg zurück finden oder alles auf einmal ordnen; es genügt, dass du diese Sehnsucht spürst und sie ihm hinhalten darfst, denn er ist schon da, wo du dich am weitesten von ihm wähnst, und wartet nicht mit Vorwürfen, sondern mit der leisen Geduld eines Vaters, der jede deiner Tränen kennt.
Hat das deiner Seele ein wenig Raum gegeben, oder hast du noch etwas, das jetzt gerade gehört werden möchte?